Dienstag, 29. März 2016

Ik ben terug!

Hallo ihr Lieben,

ich habe es tatsächlich zurück in die Arche geschafft. Es hat viel Überwindung gekostet und obwohl die vergangenen 6 Monate nicht gerade die Schönsten meines Lebens waren, wollte ich es noch einmal probieren. Vernünftige Gründe habe ich dafür nicht, aber Fakt ist: hier bin ich wieder und ich kann euch schon gleich von einer niederländischen Kuriosität berichten. Aber dazu komme ich etwas später in dem neuen Eintrag.

Es war tatsächlich nicht nur schwer, sondern auch schön zurück zu kommen, weil sich durchaus einige Menschen gefreut haben, besonders aber meine Huisgenoten. Felix, Sophia und Matteo haben mir super süße Bilder gemalt und die habe ich an meiner Tür geklebt vorgefunden, als ich zurück kam.
Tatsächlich habe ich in den vergangen Monaten zu Matteo eine sehr schöne Bindung aufgebaut. Ich habe echt gemerkt, dass es mit besseren Niederländisch-Kenntnissen definitiv einfacherer ist, mit ihm eine Beziehung aufzubauen, da unsere Begegnungen hauptsächlich auf dem Reden miteinander basieren. Wir machen ganz oft "afspraaken" (Termine) miteinander, wo wir entweder zusammen joggen gehen, oder neue Termine machen, oder über Israel (weil ich mit Janka, Melinda und einer weiteren Freundin aus Amsterdam im Januar die Freiwilligen in Israel besucht habe), Deutschland, Harry Potter oder sonstige Themen, die ihn gerade interessieren, reden. Matteo selbst sind diese Afspraaken sehr wichtig, weil er sich selbst dann wichtig fühlt, aber gleichzeitig auch, weil er merkt, dass da jemand ist, der sich Zeit für ihn nimmt, um ihm Dinge zu erklären oder irgendwas mit ihm zu besprechen. Ich finde es schön, ihm das Gefühl zu geben, dass es jemanden gibt, der sich für ihn interessiert. Besonders, weil hier alle immer so beschäftigt sind und die meiste Aufmerksamkeit auf Felix und Lisa liegt, weil die zwei einfach wissen, wie sie sich die Aufmerksamkeit nehmen können und ihre Wege haben, um diese auch auf jeden Fall zu bekommen. Klar, Matteo hat auch seine Wege, aber er ist leider nicht so "Erfolgreich", wie das mit den anderen beiden der Fall ist. Gleichzeitig merke ich, wie er mir immer mehr vertraut und sich mir in letzter Zeit immer mal wieder anvertraut. Denn eigentlich ist Matteo jemand, der allem und jedem gefallen möchte und sich nie über etwas beklagen würde, aber manchmal, ganz selten, hat er Momente, in dem er seine wahren Gefühle doch zeigt und doch mal sagt, wie es ihm tatsächlich geht und was er tatsächlich denkt.

Kurzer Bericht zu meinen Huisgenoten, wirklich viel gearbeitet habe ich noch nicht, weil ich die Woche über noch Freunde da hatte und dementsprechend auch noch ein paar Tage frei hatte. Sie waren auch bei dem Abschiedsfest meiner Mentorin und coolsten Kollegin dabei (echt schade, dass sie jetzt nicht mehr hier ist) und es war sehr beeindruckend, wie mein Patenkind von 7 Jahren auf die Menschen mit Behinderung reagiert hatte. Nach anfänglicher Schüchternheit, weil alles neu und fremd war und er niemanden kannte (es waren schon einige Menschen da), war er total offen und hatte keinerlei Berührungsängste. Natürlich hat er -wie eben jedes Kind- viele Fragen gestellt, aber er hatte im Umgang mit den Huisgenoten absolut kein Problem. Das ist das tolle an Kindern, sie haben eine so andere Sicht auf die Welt, als wir als Erwachsene. Und meistens verurteilen sie einen genauso wenig, wie es die Menschen mit Behinderung tuen würden. Eine der Fragen von meinem Patenkind bezog sich darauf, dass Felix mir, als er mich wieder gesehen hat zur Begrüßung 10 Küsschen gegeben hat und dann ganz oft erzählte, er habe mir zur Begrüßung 8 Küsschen gegeben hat. Mein Patenkind wollte wissen, warum er sagte, dass es 8 Küsschen waren, wo es doch in wirlichkeit 10 waren. Ich erklärte ihm, dass Felix körperlich zwar ein 73 jähriger Mann war, im Kopf aber erst etwa 4 Jahre alt war und deshalb nicht verstehen würde, dass es mehr als 8 Küsschen waren. Die Antwort meines Patenkindes daraufhin fand ich ziemlich cool: "Coooool, dann lebt Felix ja noch ganz schön lange!". Allgemein war er ein sehr großer Fan von Felix und wollte immer wieder zu ihm gehen und Hallo sagen oder irgendwas mit ihm reden.

Donnerstag letzter Woche waren wir zusammen im Schwimmbad in Den Haag. Und nun folgt die holländische Kuriosität: Mein Patenkind ist 7 Jahre alt, schwimmt seit mindestens 3 Jahren ohne Schwimmflügel im Schwimmbad und im Meer und er hat das Seepferdchen. Dennoch erlaubt ihm der niederländische Gesetzgeber -und dementsprechend auch die niederländischen Bademeister- nicht, ohne Schwimmflügel ins Wasser zu gehen. Warum? Weil er kein niederländisches Schwimmdiplom hat. Wir haben echt alles probiert, dass er nicht mit Schwimmflügeln ins Wasser muss, aber keine Chance! Gesetz ist Gesetz. Nicht einmal ins Babybecken durfte er ohne Schwimmflügel, weil er ja ins "Große" Becken (1,20 m tief) rennen könnte und in Panik geraten könnte und dann ertrinken könnte *lach*. Deshalb: Schwimmflügelpflicht für 7 jährige Jungen ohne Schwimmdiplom. Tauchen war auch nicht erlaubt.Für niemanden. Zu gefährlich. Wir durften ihn auch keine 10 Sekunden aus den Augen lassen, ohne dass der Bademeister uns ermahnt hat, er könnte ja trotz seiner 7 Jahren und Schwimmflügeln unter gehen. In einem der Becken war ein Strudel, natürlich war dann in dem Becken selbst eine Trennwand, ganz normal, wie man das im Schwimmbad eben so kennt, da durfte man aber auch nicht drüber klettern. Regeln und Sicherheit schön und gut und klar anderes Land, andere Sitten, aber ich habe mich dann doch echt fragen müssen, ob niederländische Kinder in Schwimmbädern überhaupt Spaß haben dürfen und wie sie dann schlussendlich Spaß haben, wenn sie kaum etwas machen dürfen und kaum Freiheiten haben. Ich fand es schon krass, dass man in einem normalen Schwimmbad nicht einmal tauchen durfte!
Noch ironischer werden all diese Schwimmregeln, wenn man bedenkt, dass niederländische Kinder -egal welchen Alters- auf dem Fahrrad nie einen Helm tragen müssen. Da werden Babys und Kleinkinder ohne Helm auf dem Fahrrad transportiert, das ist kein Problem, aber schwimmen ohne Schimmflügel und mit dem Kopf unters Wasser tauchen... DAS geht gar nicht!

Immerhin habe ich an dem Tag ein weiteres Wort meinem niederländischen Wortschatz hinzufügen können. Schwimmflügel auf niederländisch heißt "zwemmvlinders" und wörtlich übersetzt heißt das "Schwimmschmetterlinge". Mal wieder ein sehr süßes Wort, das mir da über den Weg gelaufen ist (=


Mein Patenkind nannte es "Klippenspringen" in Scheveningen :D


So das war's dann für heute. Ich melde mich spätestens in einem Monat wieder.

Groetjes,

Sarah



PS.: der Blogeintrag ist nicht absolut als Angriff gegenüber des niederländischen Systems zu sehen, man wird hier seine Gründe haben, es wundert mich lediglich, weil ich es als Deutsche anders kenne und anders gewohnt bin

Mittwoch, 24. Februar 2016

I'm coming Home

"I'm coming home
I'm coming home
Tell the world that I'm coming home
Let the rain wash away all the pain of yesterday."

Liebe Leute,

natürlich ist euch nicht entgangen, dass ich in den letzten Monaten nichts mehr geschrieben habe. Das liegt -unter anderem- daran, dass hier ganz schön viel schief gelaufen ist. Ich werde nun nach Hause gehen und eine Pause von der Arche nehmen. Ich hoffe in etwa einem Monat zurück zu kommen, dass wir hier dann gemeinsam etwas an der -zu diesem Zeitpunkt nicht gerade schönen- Situation für uns Freiwillige ändern können und ich der Arche mit einem neuen, besseren Gefühl begegnen kann. Ich hoffe, euch dann auch wieder schöne Geschichten erzählen zu können.

Viele liebe Grüße

Sarah

Dienstag, 17. November 2015

"If really he has a disability then his disability is abnormal joy."

Hallo ihr lieben,

heute gebe ich euch nicht viel zu lesen, aber ich würde euch bitten, dieses wundervolle Video der Arche in Kenya anzuschauen. Es zeigt, wie toll es ist, mit Menschen mit Behinderung zu arbeiten und wie einzigartig sie alle sind *-*

Veel plezier (=


Samstag, 31. Oktober 2015

Magic Moments

Dag allemaal!

Sicher hab ich euch das schon mal geschrieben, aber dass ihr den heutigen Blogeintrag auch versteht, erwähne ich es noch einmal: Sophia ist ziemlich träge, sie bewegt sich ungern und wenn sie es tut, dann nur seeehr langsam. Sie ist auch sehr verschlossen und es ist schwer zu ihr durchzudringen. Weiterhin ist sie übergewichtig, weil sie den ganzen Tag nur auf dem Sofa sitzt und kaum läuft. Sie findet Sport, oder auch laufen, echt schrecklich. Da sie so viel wiegt, darf sie morgens "nur" zwei Brote essen und auf die Arbeit nimmt sie auch zwei Brote mit. Jetzt haben Melinda und ich aber diese Woche angefangen, für sie (und auch alle anderen Huisgenoten) morgens einen Smoothie zuzubereiten, weil das gesünder ist. Am ersten Tag war das okay, aber ab dem zweiten Tag fand sie es nicht mehr so lustig, statt eines Brotes, einen Smoothie zu bekommen. Auch heute Morgen, als ich gearbeitet habe, kam sie zum Frühstück, hat an dem Smoothie gerochen (er bestand aus Trauben, Melone und Salat) und erst einmal das Gesicht verzogen. Als sie dann aber fertig mit Essen war, hat sie gefragt, ob sie noch einen Smoothie bekommen kann. Also hat er ihr doch geschmeckt! Es hat mich echt gefreut, dass sie nach einem zweiten gefragt hat (=
Nach dem Frühstück hat sie sich angezogen und dann ging's zum Schwimmbad. Schwimmen findet Sophia ebenfalls überhaupt nicht cool. Man muss sich bewegen UND ihre Hände werden dabei nass. Deshalb versucht sie es auch jede Woche wieder mit der Ausrede, dass sie ihre Tage hat. Aber jeder Weiß, dass das nicht der Fall ist und so muss sie schlussendlich doch ins Wasser. Meistens hängt sie dann aber nur am Beckenrand und tut nichts. HEUTE allerdings habe ich es geschafft, sie dazu zu bewegen, vier Bahnen mit mir gemeinsam zu schwimmen! Ich muss sagen, dass mir meine Kollegin und Tutorin Fenna dazu verholfen hat, da ich sie gefragt habe, wie man Sophia zum Schwimmen motivieren kann. Sie erzählte mir, dass sie es geschafft hat, indem sie Sophia erzählt hat, wie sehr sie sich freuen würde, mit ihr zusammen zu schwimmen und dass sie sie an der Hand genommen hat und Fenna ist rückwärts geschwommen, während Sophia vorwärts schwamm. So, genau das habe ich probiert und es hat weitestgehend funktioniert. Wobei ich weniger vor, als neben ihr geschwommen bin. Ich hab ihre Hand genommen und wir sind zusammen geschwommen, zeitweise ist sie sogar ganz alleine geschwommen (= und sie hat sich gefreut, weil sie dafür von allen Seiten ganz viel Lob bekommen hat. Leider habe ich sie zu keiner 5. Bahn motivieren können, aber es hat mich echt total gefreut, dass sie überhaupt mit mir geschwommen ist, bisher habe ich sie nämlich nicht dazu bewegen können. Und dieses Erlebnis, dass sie mit mir schwimmt, dem schreibe ich heute meine Überschrift zu. Magic Moments, magische Momente, kleine Erfolge, die ich hier immer mal wieder mit den Huisgenoten erlebe und die mich echt glücklich machen und die die Arbeit hier so besonders machen. Denn wenn sich die Huisgenoten Freuen weiß man, dass es echt ist. Hier noch ein paar weitere Beispiele, einfach weil's so schön ist:


  • Gestern hab ich Pizzabrötchen zu Abendessen gemacht und hab vorher gefragt, ob Sophia mir beim Kochen helfen möchte. Sie sagte ja, aber kurz danach ist sie dann in ihrem Zimmer verschwunden und ich wollte sie jetzt nicht dazu drängen, mir zu helfen. Ich hab also angefangen, alles vorzubereiten, sodass ich am Ende nur noch würzen musste und den Belag auf die Brötchen verfrachten. Zu diesem Zeitpunkt kam sie runter und sagte "oww", als sie sah, dass ich fast fertig war. Also wollte sie mir doch helfen. Ich lies sie unser Essen würzen (sie hatte so viel Spaß daran, Salz über das Essen zu streuen, dass sie gar nicht mehr aufhören wollte :D) und als wir damit fertig waren, fragte sie, ob sie den Belag auf die Brötchen machen dürfe. Als ich ihr das erlaubte, hat sie sich gefreut und gleich angefangen. So saßen wir zusammen am Tisch und haben 48 Pizzabrötchen belegt. Zwischendurch hat sie sich immer wieder riesig darüber gefreut und ganz viel gelacht (= und das wiederum hat mich total gefreut! 


  • Felix ist seit zwei Tagen total gut drauf. Ich bin morgens aufgestanden und ging nach Unten, da saß er schon auf dem Sofa und als er mich gesehen hat, hat er mir gesagt, dass er mich vermisst hat. Dann hat er mir Küsschen zugeworfen und im Laufe des Tages hat er mir immer mal wieder gesagt, dass ich lieb bin und er hat ganz viel gelacht und mit ganz vielen Küssen um sich geworfen. Diese Woche sind Melina, Mia und ich tagsüber zusammen mit ihm in den Supermarkt gelaufen (er im Rollstuhl), um ein paar Kleinigkeiten zu kaufen. Auf dem Weg war er auch super freundlich und hat jeden, der vorbei gekommen ist, gegrüßt ^-^ leider hat nicht jeder zurück gegrüßt. Mia vermutet, dass Felix gerade so gut drauf ist, weil er so viel Zeit mit uns verbringen kann und wir so oft da sind. Ich glaube aber, dass auch Mia ein Grund dafür ist, denn sie arbeitet seit einer Woche mit ihm zusammen und sie hat nicht nur eine super offene, freundliche und herzliche Art, sondern beschäftigt sich auch ganz viel mit Felix. Die anderen Assistenten, die mit ihm arbeiten, lassen ihn oft allein am Tisch sitzen und stempeln. Mia sitzt mit ihm am Tisch, hört mit ihm Musik, fragt ihn, was er über den Tag verteilt machen möchte und macht Pläne mit ihm, die sie dann aufschreibt und auch in die Tat umsetzt. Es freut mich echt, dass sie mit ihm arbeitet (= 


  • Es gibt einige Dinge, die Matteo echt gerne hat: Harry Potter und joggen gehen sind Teil davon. Ich hab mit ihm einen Termin ausgemacht, wann wir zusammen laufen gehen und vor ein paar Wochen hab ich auch mit ihm einen Termin zum Harry Potter gucken ausgemacht und beide Male hat er sich total gefreut, als wir dann beschlossen haben, dass wir zusammen Harry Potter schauen, oder nächste Woche Samstag zusammen laufen gehen. 
Manchmal ist es echt anstrengend, sich ein Haus mit Menschen mit Behinderung zu teilen, aber gleichzeitig gibt es auch so viele schöne Momente. 


Nachdem wir heute schwimmen waren, hat Fenna mich abgeholt und wir sind zusammen zur Chocoladefabriek Gouda gefahren. Nein, das war leider KEINE Schokoladenfabriek, aber es war trotzdem ziemlich cool. Bei der Chocoladefabriek handelte es sich um ein kleines Café in einer Bibliothek in Gouda. Es ist ziemlich cool gestaltet,. Wir haben uns dort hin gesetzt und jeder eine riesen große heiße Schokolade (hier ist dann doch Schoki gewesen ;)) mit Marshmallows und Sahne *-* getrunken und jeder ein Stück Kuchen gegessen. Der Kuchen, den ich mir ausgesucht habe, hatte einen braunen Boden und eine grün-türkis gestreifte Creme darüber. Er hieß "Raar maar Waar", kommt von den Kindern, die gerade Lesewoche / Lesewettbewerb in der Bibliothek haben. Das Team der Kinder hat sich "Raar maar Waar" genannt und das Besondere an dem Kuchen war, dass es geheim ist, welche Art von Kuchen es ist. Man muss selbst erschmecken, welche Zutaten in dem Kuchen sind. Das war ziemlich cool, einen Kuchen zu essen, von dem man keine Ahnung hat, was drin ist. Also, wenn ihr zufällig diese Woche noch nach Gouda kommt, geht in die Chocoladefabriek und bestellt euch einen "Raar maar Waar" (=
Veel plezier mit eurem magic food moment ;)

Groetjes :*



Dienstag, 27. Oktober 2015

Essen = Sprache

Thomassa, unsere Waterput-Katze
Mein letzter Blogeintrag war vor einem Monat und einem Tag, also schulde ich euch endlich mal ein goudses Update. Ich weiß noch gar nicht, worüber ich überhaupt schreiben möchte, mal schauen, was kommt...
Ich glaube ich schreibe heute etwas zu Holland, da ich gerade frei hab und krank war, mag ich im Moment nichts über die Huisgenoten schreiben, ich hab länger nicht mit ihnen geargearbeitet und deshalb auch nicht viel zu sagen. Der nächste Eintrag wird sich dann wieder konkreter mit den Huisgenoten beschäftigen.
HagelSlag
Ich denke ich schreibe über... Essen! Das Hollädische Essen scheint dem Deutschen auf den ersten Blick nämlich total ähnlich zu sein, auf den zweiten Blick findet man aber schon die ein oder andere Kuriosität:

  1. Die Niederländer essen Streusel, die wir über Kuchen streuen, auf ihr Brot. Zusammen mit Butter. Das Zeug nennen sie Hagel Slag (ja, übersetzt heißt das "Hagelschlag") und es gibt es in allen verschiedenen Farben und Formen. Ich hab mir zum Spaß mal so etwas gekauft und gegessen. Mehr als ein Brot geht nicht, sonst wird's mir schlecht. 
  2. Brot? Ich glaub so genau weiß man hier gar nicht, was das Wort bedeutet. Das, was hier als Brot bezeichnet wird, ist etwas, das zwar aussieht wie Brot, aber auf keinen Fall Brot ist. Es ist eigentlich mehr Luft als Brot, weil es so weich ist und man absolut nichts zu kauen hat. Deshalb isst der typische Deutsche dann auch gerne mal 6, statt normalerweise 2 Scheiben Brot, weil man einfach nicht das Gefühl hat, überhaupt etwas zu essen. 
  3. Joghurt und Pudding (bekannter unter dem Namen "Vla"), werden hier in Tetra-Packs verkauft. Man sieht, wie jemand einen dieser Tetrapacks umdreht und erwartet etwas flüssiges, wie Milch, oder Saft, aber tatsächlich kommt da dann irgendein dickflüssiges Puddingzeugs heraus, wobei Pudding und Joghurt (und auch Bepanthen-Creme) hier eine echt merkwürdige Konsistenz haben.
  4. Pannenkoeken (Pfannkuchen) gibt es hier in 100 verschiedenen Geschmacksrichtungen. Ob Pfannkuchen Hawaii, Funghi, Calzone oder eine süße Variante, man bekommt alles, was man will, auf seinen Pfannkuchen. Die Niederländer essen ihre Pfannkuchen so, wie Wormser ihren Flammkuchen in der Schänke essen.
  5. Das Mischen mit merkwürdigen anderen Lebensmitteln ist ein Schicksal, das leider nicht alleine den Pfannkuchen widerfährt. So isst man hier Pommes zusammen mit Apfelbrei o.O 
  6. Kroketten sind -wie Pfannkuchen- eine niederländische Spezialität und werden hier mit Fleisch gefüllt. Matschigem, unidentifizierbaren Fleisch. 
  7. Frikadellen sind geformt wie Kroketten. Janka und ich wissen nicht, ob wir sie Frikaketten oder Krokedellen nennen sollen. 
  8. Man findet den guten holländischen Käse sogar in Suppen 
  9. Zu Nikolaus werden hier Pepernoten verkauft, wenn man diese zusammen mit Vla isst (Geheimtipp einer echten Niederländerin), hat man einfach ein unglaubliches Geschmackserlebnis! 
  10. Absolut unschlagbar sind aber immer noch Stroopwafels *-* die Dinger könnte ich den ganzen Tag lang essen

So, das war's vorerst zum niederländischen Essen, mal schauen, wann ich dazu ein Update schreiben kann ;D 
Übrigens haben Sprache und Essen in der Sache, dass es auf den Ersten Blick gleich scheint, bei genauerem Hinschauen aber gar nicht gleich ist, etwas gemeinsam. Natürlich gibt es jede Menge Wörter, die super ähnlich, oder sogar genau wie die deutschen Wörter sind, aber es gibt auch Wörter, da muss man sowohl als Deutscher, als auch als Holländer echt aufpassen:

    • (niederländisch - deutsch)
    • Stokbrood = Baguette
    • tussen = zwischen
    • kopen = kaufen
    • gekocht = gekauft (ich war letztens echt verwirrt, als  mir gesagt wurde, dass jemand Blumen "gekocht" hat)
    • koken = kochen
    • mogen = dürfen
    • bodschappen = einkaufen
    • lekker = lecker / schön
    • olijfolie = Olivenöl (ich denke immer an Alufolie) 
    • bellen = anrufen / klingeln
    • blaffen = bellen
    • Poppen = Puppen
    • nuttig = nötig
    • klarkommen = solltet ihr besser selbst googeln 
    • een bloedhekel hebben an iem. = jdn. auf den Tod nicht ausstehen können 
    • schommelen = schaukeln
    • van een kind bevallen = gebären
    • van ongeduld popelen = vor Ungeduld brennen

Viel mehr fällt mir jetzt gerade nicht ein, aber auch zum Thema Sprache werde ich euch auf dem Laufenden halten ;D

Groetjes uit Gouda (=




Freitag, 25. September 2015

Een prachtig dag :D

Obwohl ich noch nicht lange hier bin, muss ich sagen, dass heute der beste Tag war, seit ich hier angekommen bin!
Heute morgen nach dem Aufstehen hab ich Tee gekocht und für Lisa Frühstück zubereitet. Anschließend habe ich wieder Dana geholfen, um dann mit ihr und Sophia zu frühstücken. Nach dem Frühstück hab ich noch schnell die Toiletten geputzt und om half negen uur (halb 9), sind Melinda, Dana, Sophia und ich zum Schwimmbad gefahren. Dort haben wir die Leute aus dem Manna getroffen. Nach dem wir den Huisgenoten beim Umziehen geholfen haben, ging's schwimmen und es war wundervoll! Die Huisgenoten haben sich total gehen gelassen uns sind mit uns durchs Wasser gehüpft, haben mit uns Ball gespielt und Quatsch gemacht (= leider war die Zeit im Schwimmbad aber viel zu kurz, weshalb ich mich um so mehr auf nächste Woche freue (= 

Bis 16 Uhr hatte ich wieder Mittagspause, dann kamen die Huisgenoten heim, wir haben zusammen Tee getrunken und einen Keks gegessen. Anschließend habe ich Kartoffeln geschält und Sophia und Dana haben zusammen Karotten geschnitten. Dana hat sich zwischendurch immer mal wieder ein Stück Karotte zum Naschen in den Mund geschoben und mir bedeutet, dass ich nichts sagen soll, Maja, die Assistentin, die in dem Moment gearbeitet hat, hat mitbekommen, dass ich deshalb gelacht hab und gefragt, warum, ich hab ihr gesagt, dass ich ihr das nicht sagen kann und Dana meinte auch, dass es ein Geheimnis sei. Maja hat sich beschwert, dass das nicht nett sei, dass wir ihr nichts erzählen, Dana hat sich dafür entschuldigt, aber trotzdem dicht gehalten :D 

Während des Abendessen durfte Felix ausnahmsweise bei uns sitzen, so saßen wir zu acht am Tisch und Dana und Felix haben sich die ganze Zeit gegenseitig veräppelt, was uns Anderen EINIGES zu Lachen gab.

Nach dem Abendessen habe ich mit Dana gemalt, während Felix mit Maja seine Nachrichten geschaut hat und Sophia mit ihrer Puppe auf dem Sofa saß und ein LTB durchblättert hat. Irgendwann kam sie an uns vorbei und hat meine Buntstifte gesehen, die ich mir vor meiner Abreise extra gekauft hab (wundervolle neue Faber-Castell Stifte, Schleichwerbung). Sie hat gefragt, ob das neue Stifte seien, ich sagte ja und hab sie gefragt, ob sie mit uns malen möchte. Sie sagte ja, kurz danach kam sie mit einer Tomate in der Hand zu uns und fragte, ob sie die Tomate essen dürfe, wir haben Maja gefragt, welche Sophia erklärte, dass es ja Wochenende ist und sie deshalb ausnahmsweise noch eine Tomate essen dürfe. Über diese Nachricht hat sie sich einfach riesig gefreut! Ich habe noch nie gesehen, dass sich ein Mensch so sehr über eine Tomate gefreut hat! Als hätten wir ihr ihren größten Wunsch erfüllt und es war echt toll zu sehen, wie glücklich sie über diese Tomate war! Nachdem sie diese Tomate gegessen hat, hat sie sich ein Blatt genommen, um mit uns zu malen. Sie war nach wie vor super happy über die Tomate und dann war sie über die neuen Stifte super happy. Ich weiß gar nicht mehr, warum, aber irgendwann hab ich angefangen, mit Dana zu sprechen, in dem ich meine Nase zugehalten habe, sie fand den Klang meiner Stimme super lustig und hat es mir nach gemacht. Und weil es einer der einfachsten Sätze auf niederländisch ist, hab ich mit zugehaltener Nase gesagt "ik ben Sarah", Dana hat mir daraufhin gesagt, dass sie Dana ist und als ich Sophia gefragt habe, wer sie ist, sagte sie "ik ben Ernie", als ich nochmal nachfragte "Jij ben Ernie?" hat sie sich riesig gefreut und ja gesagt. Sie hat Ernie auf ihr Blatt geschrieben und Dana erklärte mir dann "Ik ben Marc", dann haben wir uns ganz viele Namen und teilweise auch Dinge überlegt, wer und was wir alles sind. Dana fand das super lustig (vor allem, weil wir uns die ganze Zeit die Nasen zugehalten haben), Sophia war immer Ernie, wenn man sie gefragt hat und hat sich jedes Mal wieder total darüber gefreut. Dana war irgendwann sogar Marc und Henry (ein weiterer Assistent) in einem :D Dieses nette Spiel, während dem wir super viel gelacht haben, haben wir so lange fortgeführt, bis Dana und Sophia ins Bett mussten. 

Schlussendlich war es einfach ein super genialer Tag :)


PS.: Obwohl sie immer so zurückhaltend ist, hat Sophia mich heute zum gute Nacht sagen sogar umarmt (= 

Donnerstag, 24. September 2015

Mijn nederlands is niet goed. Mar ik lere!

Hallo ihr lieben (=

Ich bin vor einer Woche endlich in Gouda angekommen und es ist einfach super hier (=
Nachdem wir am Mittwoch vom Bahnhof abgeholt wurden und ich mein Zimmer bezogen habe (ich bin so glücklich wieder ein eigenes Zimmer zu haben), habe ich endlich meine spanische Mitfreiwillige, die ebenfalls im Waterput leben und arbeiten wird, kennengelernt. Sie heißt Melinda und ist super nett. Nachdem wir kurz nach meiner Ankunft zu Abend gegessen haben (scheinbar kommt jeden Mittwoch ein Chinese ins Waterput und kocht richtig lecker chinesisch für uns *-*), hat Melinda Janka und mir den See gezeigt. Tatsächlich haben wir hier 2 Seen, die max. 10 Minuten mit dem fiets (Fahrrad) vom Waterput entfernt sind. Und an dem ersten Abend am See hatten wir das Glück, einen fantastischen Sonnenuntergang beobachten zu können.
Am nächsten Tag haben wir die Stadt gezeigt bekommen und wurden im Juules zum Essen eingeladen. Das Juules ist ein Café / Restaurant, das allein von Menschen mit Behinderung geführt wird. Ich finde es ziemlich cool, dass es hier so etwas gibt. Anscheinend gibt es in einer der Nachbarstädte hier noch ein solches Restaurant, das sogar größer ist.
Samstag und Sonntag waren meine ersten offiziellen Arbeitstage. Ich arbeite am Wochenende von 10-19 oder 12-21 Uhr. Nachdem wir morgens zusammen gefrühstückt haben, musste ich erst einmal putzen, aber das ist okay denn im Prinzip putze ich während meiner Arbeitszeit das Haus, in dem ich wohne, die anderen Freiwilligen müssen alle nach der Arbeit noch ihr zu Hause putzen. Danach helfe ich weiterhin im Haushalt oder mit dem Essen machen / kochen. In der ersten Zeit werde ich nur Hilfsarbeiten übernehmen, dass ich die Huisgenoten erst einmal kennen lernen kann, bevor ich ernsthaft mit ihnen arbeite.
Mo-Mi hatten wir schon wieder frei, zwischendurch aber ein paar Informationsveranstaltungen. Zum Beispiel haben wir von einer der Assistentinnen etwas über die Arche und ihre Geschichte erzählt bekommen. Es gibt mittlerweile extrem viele Archen und ich finde das Konzept der Arche ziemlich cool. Man kennt die Sache mit dem Personalmangel ja oft von Altenheimen, manchmal auch von Krankenhäusern, in denen die Patienten dann dadurch echt nicht gut behandelt werden, aber hier hat man meistens Zeit für jeden und ich habe das Gefühl, dass die Arche einem Mensch mit Behinderung ein schönes Leben bieten kann und sich gut um die Huisgenoten kümmern kann, sodass sie nicht den ganzen Tag allein gelassen werden, sondern immer jemanden da haben.

Heute habe ich von 16-22 Uhr gearbeitet, aber normalerweise arbeite ich Donnerstags von 7-10 Uhr und von 16-22 Uhr. Ich kann aber nicht viel zu meiner Arbeit sagen, ohne vorher die Huisgenoten alle vorgestellt zu haben:
1. Felix, den ich ja schon im Juli kennengelernt habe und von dem ich bereits geschrieben habe
2. Lisa, von der ich ebenfalls schon berichtet habe. Sie ist Autistin und hat mir am Anfang ehrlich gesagt Angst gemacht, weil sie sich ab und zu selbst schlägt und immer Dinge vom Tisch (oder wo auch immer sie liegen) wirft. Aber mittlerweile habe ich erklärt bekommen, warum sie das macht und ich komme echt gut mit ihr klar.
3. Sophia, sie war bisher noch gar nicht so oft da, aber letztens habe ich sie mit Ella (wohnt im Manna) vor dem Atelier getroffen, dort haben wir zusammen Fußball gespielt, das war ziemlich cool (=
4. Matteo, er war das letzte Mal, als ich die Arche besucht habe im Urlaub, jetzt konnte ich ihn endlich kennen lernen. Er wirkt physisch und psychisch total fit.
5. Dana, sie ist nur für 3 Wochen hier, weil ihre Eltern gerade im Urlaub sind, das ist echt schade, weil sie super herzlich ist und ganz viel lacht. Sie kannte mich gerade zwei Tage und hat mir zur Begrüßung schon ein Küsschen gegeben.
Außerdem ist sie meine Holländisch-Lehrerin. Die meisten Assistenten hier reden nämlich Englisch mit mir, weil es eben für beide Seiten einfacher, aber nicht gerade sinnvoller ist. Dana jedenfalls spricht die ganze Zeit niederländisch mit mir und da sie so schön langsam spricht, versteh ich sie auch gut. Ich habe ihr letztens -auf niederländisch- gesagt, dass sie meine Lehrerin ist, das hat sie total gefreut. Aber auch Felix spricht niederländisch mit mir. Ich hab ihm anfangs gesagt "mijn nederlands is niet goed", aber das hat ihn kein bisschen interessiert, er hat trotzdem weiter mit mir gesprochen. Eigentlich hat er da auch Recht mit (= nur leider versteht man ihn (auch als Muttersprachler) nicht so gut, weil er sehr viel stottert. Trotzdem ist er super cool.

Nun zu meinem heutigen Tagesablauf:
Heute morgen dachte ich irrtümlicherweise, dass ich arbeiten müsse, also bin ich aufgestanden und runter gegangen und hab die Spülmaschine ausgeräumt und die Küche gemacht. Irgendwann hat Dana gerufen, dann bin ich hoch gegangen, hab ihr die Haare gemacht und ihr die Schuhe gebunden. Als sie mich gefragt hat, ob ich ihr die Schuhe binden könne, habe ich es erst nicht verstanden, weil ich das Wort nicht kenne, aber sie hat mir dann gezeigt, was sie meinte. Schließlich sind wir nach unten gegangen und haben zusammen gefrühstückt, sie hat ihr Brot geschmiert und als wir alle fertig waren, bin ich wieder in mein Bett. Später bin ich dann mit Melinda in die Stadt gefahren und habe mir noch Kleiderbügel für mein Zimmer gekauft. Da ich ein bisschen erkältet bin, wollte ich auch Ingwer kaufen, allerdings habe ich im Albert Hijn (niederländischer Supermarkt, ähnlich wie REWE) keinen gefunden. Nach der Stadt haben wir kurz im Manna vorbei geschaut und dort Dana getroffen. Sie hat uns begrüßt und gefragt wie es uns geht  und hat mir erklärt, wem ich alles Grüße ausrichten soll. Ich glaube für sie sind die Menschen um sie herum sehr, sehr wichtig. Sie fragt immer nach bestimmten Menschen, wer wo wann ist und wie es wem geht. Sie lässt täglich bestimmt 5 Leute Grüße an andere Leute ausrichten, ich finde das super süß von ihr. Nachdem wir sie besucht haben, sind wir zurück ins Waterput, wo Melinda für mich Tortilla Francesa gekocht hat. War super lecker *-*
Um 16 Uhr musste ich dann arbeiten, zu dieser Zeit kommen die Huisgenoten von ihrer Tageseinrichtung, bzw von ihrer Arbeit (teilweise im Atelier) wieder zurück. Wir haben zusammen Tee getrunken und einen Keks gegessen. Danach hab ich mit Dana bis zum Abendessen gemalt. Heute gab es Sauerkraut und Würstchen zu Abend :D hier wird Abends immer warm gegessen und mittags meistens kalt, es sei denn man kocht sich selbst was. Außerdem wird hier massenweise Tee getrunken, man wird täglich mindestens fünf mal gefragt, ob man einen Tee trinken möchte, das ist schon ziemlich cool. Zum Nachtisch gibt es meistens Vla (außer Montags, da  essen wir Obst). Anschließend mussten wir eine komplette Spülmaschinenladung Geschirr spülen, weil wir keine Spülmaschinentabs mehr hatten. Danach habe ich wieder mit Dana gemalt, während Felix dann seine Abendnachrichten geschaut hat. Dana hat mir beim Malen erzählt, dass sie bald mit ihrer Familie in Urlaub fährt und wer alles zu ihrer Familie gehört. Dann hat sie mich gefragt, ob ich auch in Urlaub fahre. Ich konnte ihr erzählen, dass ich mit Janka verreisen möchte und zwischendurch, als sie mir von ihren Brüdern erzählt hat, hab ich ihr von meinen Brüdern erzählt (= irgendwann musste sie dann ins Bett, von da an hatte ich eigentlich nur ab und zu noch nach Lisa zu schauen, aber im Prinzip war das nicht besonders viel arbeit.
Sophia ist übrigens nach dem Abendessen in einem Verein tanzen gegangen. Ich finde es echt cool, dass sie so etwas macht.

Morgen gehen wir alle zusammen schwimmen, darauf freue ich mich schon die ganze Woche, mal schauen, ob es so gut wird, wie alle sagen (=

Das war's vorerst aus Gouda, ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende und melde mich, wenn es Neuigkeiten gibt (=